Bettina von Arnim’s handbag

 

Location: Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum, Grosser Hirschgraben 23-25, D-60311 Frankfurt/M., Germany

Contributor: Wolfgang Bunzel

Description: In the 18th and 19th century there were folding travel desks, often equipped with bottom drawers (cp. folding travel desk in the Beethoven-Haus Bonn from the collection of H. C. Bodmer) enabling travellers to work during their journeys. Suitable for excursions and journeys, Bettina von Arnim’s handbag, foldable from both sides, adopts exactly this design principle. It has a drawer underneath with a removable long wooden box, which served as a storage for writing utensils (ink pot and several quills), drawing tools (pencil and chalk) and different needle work (knitting- and sewing-needles as well as fixing pins).Thus, the authoress was always provided with the necessary writing material while travelling.

On the inside label it says:”A. Mossner / Bookbinder to the Court / Berlin / Burgstraße” showing that the handbag was a custom-made product, obviously manufactured to satisfy the wishes of the buyer. It is a working utensil for a busy woman having to travel a lot rather than an it-piece. Being designed to work on the way you could name the handbag the laptop of the 19th century.

Berlin was the place of Bettine von Arnim’s principal residence nevertheless she paid Wiepersdorf, a family-owned manor 80 km south of Berlin that was managed by her eldest son Freimund, several longer visits. In the thirties and mainly in the fourties of the 19th century she repeatedly travelled back and forth between the two locations. The construction of the railroad between Berlin and Halle was essential for facilitating her travelling. The work on the Berlin-Anhaltische Railway started on 15th April 1839; On 1st September 1840 the track section between Dessau and Köthen was already opened. On 1st July 1841 the 63 km track section from Berlin to Jüterbog followed (the following two months the lacking track sections between Berlin and Jüterbog and from Jüterbog to Wittenberg were finally finished). The timetable between Berlin and Jüterbog scheduled one connection at a time in the mornings and one in the afternoon in both directions (and there were three more trains on Sundays); travelling time was two hours overall.

In 1977 the handbag came to the Freies Deutsches Hochstift as part of the so-called Sommerhoff-heritage. Bettine von Arnim’s daughter, Maximiliane von Arnim was married to Eduard Graf von Oriola. Objects and manuscripts that she had received from her mother she passed on to her son Waldemar Graf Oriola and his wife Marie, married Christ, widowed Berna. The latter brought these pieces to the family’s property Castle Büdesheim in the Wetterau-region. Since the couple had no children, part of the Arnim heritage ended up with their niece, Marie Sommerhoff, née von Butlar, being the last inhabitant of the castle, in Bad Homburg. And it was from her that the “Freies Deutsches Hochstift” finally received it.

Creator: Abraham Mossner (1800-nach 1858), Burgstrasse, Berlin

Date: after 1840

Subject: Arnim, Bettine von, née Brentano, 1785-1859

Media:

Image Rights: Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum

http://sinfin.net/railways/world/anhalter/index.html

Object Type: object of utility / accessoire

Format: green leather with brass clasp and integrated wooden box as bottom; 26,9 x 30,5 x 9,8 cm

Language: not applicable

 Publisher: Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum

Location: Freies Deutsches Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum, Grosser Hirschgraben 23-25, D-60311 Frankfurt/M., Germany

Digital Collection Record: Handbag owned by Bettine von Arnim

Catalogue number: Inv. Nr. H-1W9-V

References: „Köstliche Reste“. Andenken an Goethe und die Seinen. Ausstellung und Bestandskatalog. [Katalog zur Ausstellung im Freien Deutschen Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum, 1. Dezember 2002 – 2. Februar 2003.] Katalog und Ausstellung: Gerhard Kölsch und Petra Maisak. Frankfurt/M. 2002, p. 122-124, nr. 96; ill, p. 122-123.

Wolfgang Bunzel: Die Welt umwälzen. Bettine von Arnim geb. Brentano (1785-1859). [Katalog zur Ausstellung im Freien Deutschen Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum, 20. Januar – 5. April 2009.] Frankfurt/M. 2009, p. 19, nr. 22; ill. 10, p.18.

German description: Um es Reisenden zu ermöglichen, auch unterwegs zu arbeiten, gab es im 18. und 19. Jahrhundert aufklappbare Reiseschreibsekretäre, in die häufig Bodenschubladen eingearbeitet waren (vgl. den Reiseschreibsekretär im Beethoven-Haus Bonn, der aus der Sammlung H.C. Bodmer stammt). Dieses Konstruktionsprinzip übernimmt die beidseitig ausklappbare und damit insbesondere auch für Ausflüge und Reisen geeignete Tasche aus dem Besitz Bettine von Arnims. Sie verfügt an der Unterseite über einen Einschub mit einem herausnehmbaren länglichen Holzkästchen, das der Aufbewahrung von Schreibgeräten (Tintenfaß, verschiedene Schreibfedern), Hilfsmitteln zum Zeichnen (Bleistift, Kreide) und Handarbeitsutensilien (Strick-, Näh- und Stecknadeln) diente. Die Autorin war damit auch unterwegs immer mit allem nötigen Material zum Schreiben versorgt.

Wie das an der Innenseite angebrachte Schild mit den Angaben „A. Mossner / Hofbuchbinder / Berlin / Burgstraße“ zeigt, war die Handtasche eine Spezialanfertigung, die offenbar ganz nach den Wünschen der Auftraggeberin angefertigt wurde. Sie ist nicht in erster Linie ein Modeutensil, sondern vielmehr das Arbeitsinstrument einer viel beschäftigen und mobilen Frau. Da sie für das Arbeiten unterwegs konzipiert war, könnte man diese Handtasche als Laptop des 19. Jahrhunderts bezeichnen.

Bettine von Arnim hatte ihren Lebensmittelpunkt in Berlin, hielt sich aber immer wieder über längere Zeit in Wiepersdorf auf, einem familieneigenen Landgut, das knapp 80 km südlich von Berlin lag und von ihrem ältesten Sohn Freimund bewirtschaftet wurde. Zwischen beiden Orten pendelte sie in den dreißiger, vor allem aber in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts mehrfach hin und her. Entscheidend erleichtert wurde ihre Reisetätigkeit durch den Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Halle. Die Arbeiten für die Berlin-Anhaltische Eisenbahn begannen am 15. April 1839; bereits am 1. September 1840 wurde der Streckenabschnitt zwischen Dessau und Köthen eröffnet. Am 1. Juli 1841 folgte dann der 63 Kilometer lange Abschnitt von Berlin nach Jüterbog (in den beiden folgenden Monaten wurden schließlich die noch fehlenden Strecken zwischen Dessau und Wittenberg und von Jüterbog nach Wittenberg fertiggestellt). Der Fahrplan zwischen Berlin und Jüterbog sah wochentags jeweils eine Verbindung am Morgen und eine am Nachmittag in beide Richtungen vor (am Sonntag fuhren insgesamt drei Züge mehr); die Fahrzeit betrug insgesamt zwei Stunden.

Die Handtasche kam 1977 als Teil des sog. Sommerhoff-Nachlasses in das Freie Deutsche Hochstift. Bettine von Arnims Tochter Maximiliane von Arnim war verheiratet mit Eduard Graf Oriola und vererbte von der Mutter erhaltene Gegenstände und Manuskripte an ihren Sohn Waldemar Graf Oriola und dessen Ehefrau Marie, geh. Christ, verwitwete Berna. Durch letztere kamen diese Stücke auf das Familiengut Schloss Büdesheim in der Wetterau. Da das Paar kinderlos blieb, gelangte dieser Teil des Arnimschen Nachlasses 1915 an die Nichte und letzte Bewohnerin des Schlosses, Marie Sommerhoff geb. von Buttlar, in Bad Homburg. Von ihr übernahm ihn schließlich das Freie Deutsche Hochstift.

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